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Wenn der Herbst ganz traurig macht
Wien - Mindestens fünf Prozent der Österreicher leiden in der dunklen
Jahreszeit an Depressionen. 17 Prozent sind weniger stark betroffen. Diese
"saisonabhängige" Traurigkeit stellt somit für viele Menschen ein jährlich
wiederkehrendes Problem dar. Hilfe ist vorhanden: Lichttherapie oder moderne
Antidepressiva.
Je weiter nördlich, desto depressiver
"Je weiter man auf dem Erdball nördlich kommt, desto häufiger wird die Herbst-
und Winterdepression. Das haben Studien in den USA und in Japan eindeutig
ergeben. Manche Betroffene beginnen daran bereits mit Anfang September zu
leiden. Wirklich relevant wird das dann im Oktober und November", erklärte
Univ.-Prof. Dr. Siegfried Kasper, Leiter der Klinischen Abteilung für Allgemeine
Psychiatrie an der Psychiatrischen Universitätsklinik in Wien (AKH).
Im Vergleich zu anderen Formen depressiver Zustände weist die Herbst- und
Winderdepression einige Spezifika auf:
- Klar: Das saisonal gehäufte Auftreten.
- Am Morgen sind die Betroffenen noch "gut drauf", je länger der Tag ist,
desto schlechter geht es den Patienten. Am Abend heißt es dann: "Ich kann
nicht mehr."
- Während Patienten, die an anderen Formen von Depressionen leiden, als
Hauptsymptom auch Schlafstörungen haben, sind die Betroffenen der Herbst- und
Winterdepression kaum "schlaflos". Doch sie wachen oft in der Früh auf - und
sind einfach trotz genug Schlaf nicht "munter".
- Menschen mit Herbst- und Winterdepressionen können auch an
Heißhungerattacken leiden.
Jedenfalls sollten Betroffene Hilfe beim Arzt suchen. Neueste
wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass es im Rahmen der Herbst- und
Winterdepression zu einer Verringerung der Konzentration an Serotonin im Gehirn
kommt. Kasper: "Wir haben das erst vor kurzem in einer Studie unter Verwendung
der der SPECT-Methode (Single Photon Emission Tomography) sogar bildlich
sichtbar machen können."
Besserung nach drei Tagen Lichttherapie
In der Behandlung hat sich in den vergangenen Jahren die Lichttherapie gut
etabliert. Der Wiener Experte, der ehemals federführend bei der Erforschung
dieser Behandlungsart engagiert war: "Dabei sitzt man vor einer speziellen
Lichtbank. Bei einer Lichtstärke von 10.000 Lux genügt pro Tag eine halbe
Stunde, bei 3.000 Lux sind es 2,5 Stunden. Die Lichttherapie wirkt über die
Retina (Netzhaut, Anm.). Der Effekt tritt schneller als bei der medikamentösen
Therapie ein. Er zeigt sich schon nach rund drei Tagen."
Antidepressiva als zweite Möglichkeit
Ist eine Lichttherapie nicht wirksam oder nicht praktikabel, helfen moderne
Antidepressiva: so genannte Serotonin-Reuptake-Hemmer oder Substanzen, die
sowohl auf den Noradrenalin- als auch auf den Serotonin-Stoffwechsel im Gehirn
wirken. Der "Blackout der Seele" (Kasper) in der dunklen Jahreszeit muss also
nicht als Schicksal hingenommen werden.
Kurier online, 19.11.2001
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