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EINSEITIGE EMPFANGSGEWOHNHEITENBei vielen Empfängern ist - unabhängig von den Situationserfordernissen - ein Ohr auf Kosten der anderen besonders gut ausgebildet. Das Sach-Ohr: Viele Empfänger (nach Schulz von Thun vor allem Männer und Akademiker) neigen dazu, sich auf die Sachseite der Nachricht zu stürzen und das Heil in der Sachauseinandersetzung zu suchen. Besteht das eigentliche Problem aber nicht so sehr in einer sachlichen Differenz, sondern auf der zwischenmenschlichen Ebene, erweist sich dies als verhängnisvoll. Das Beziehungs-Ohr: Ist das auf die Beziehungsseite gerichtete Ohr überempfindlich, wird in beziehungsneutrale Nachrichtungen und Handlungen eine Stellungnahme zur eigenen Person hineingelegt. Menschen mit einem großen Beziehungs-Ohr beziehen alles auf sich, nehmen alles persönlich, fühlen sich leicht angegriffen und beleidigt. Sie weichen einer Sachauseinandersetzung aus, indem sie auf die Beziehungsseite herabsteigen. Das Selbstoffenbarungs-Ohr Das Selbstoffenbarungs-Ohr nimmt Nachrichten unter dem Aspekt auf: "Was sagt sie mir über dich?" Hört jemand hauptsächlich mit diesem Ohr, lässt er nichts mehr an sich herankommen. Erhält er Feedback, hört er nur die Selbstoffenbarung des Feedback-Spenders. Der Partner wird nicht ernst genommen, sondern als zu diagnostizierendes Objekt herabgewürdigt. Ein ähnlicher Missbrauch des ausschließlichen Selbstoffenbarungs-Ohres stellt das Psychologisieren dar, d.h. eine Sachaussage nur danach zu untersuchen, welcher psychische Motor als treibende Kraft dahintersteckt ("Das sagst du ja nur, weil du..."). Häufig scheitern Sender und Empfänger in der Klärung der Frage, ob eine Nachricht überwiegend Selbstoffenbarungs- oder überwiegend Beziehungscharakter hat. Das Appell-Ohr Personen mit einem übergroßen Appell-Ohr wollen es allen recht machen und auch unausgesprochenen Erwartungen der Mitmenschen entsprechen. Jedes noch so kleine Signal wird auf seine Appell-Komponente hin untersucht. Die Wahrnehmung des leisesten Appells löst automatisch die appellgemäße Reaktion aus, ohne dass die eigene Persönlichkeit dazwischengeschaltet wäre. Einem ganz anderen Gebrauch des Appell-Ohres begegnen wir bei der finalen (auf den Zweck hin gerichteten) Betrachtungsweise. Der Empfänger kann davor geschützt werden, manipuliert zu werden und durch appellmäßige Reaktionen unfreiwillig das Spiel mitzuspielen. Benützt der Empfänger das finale Appell-Ohr extrem, unterstellt er jeder Nachricht und jeder Verhaltensweise eine "berechnende" Absicht. Werden die Botschaften auf der Sach-, Selbstoffenbarungs- und Beziehungsseite auf die Appellwirkung hin ausgerichtet, nennt man das "Funktionalität"
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