REALISMUS

Realismus (lat.: res: Ding, Sache) nennt man die Auffassung, dass die Wirklichkeit unabhängig von unserer Erfahrung und von unserem Bewusstsein existiert.

Die Auffassung, dass es eine Welt physischer Objekte tatsächlich gibt und dass wir durch unsere fünf Sinne darüber unterrichtet werden, dass die Gegenstände unserer Außenwelt unabhängig davon fortbestehen, ob sie nun wahrgenommen werden oder nicht, dass sie mehr oder weniger so sind, wie sie uns erscheinen, hält skeptischen Argumenten nur schlecht stand. Argumente gegen die Beweiskraft der Sinne sind etwa das Illusionsargument (die Sinne führen uns gelegentlich in die Irre, sodass wir nie sicher sein können, uns in unserer Wahrnehmung nicht zu täuschen; z.B. optische Täuschungen), das Argument des Traumes ( wir können nie sicher sein, ob wir nicht in Wirklichkeit gerade träumen) oder das Argument der Halluzination (Wir können z.B. nie sicher sein, nicht gerade bewusstseinsverändernde Drogen genommen zu haben). Oder noch extremer: Hilary Putnam experimentierte mit dem Gedanken, wir seien lediglich Gehirne in einem Tank und ein Wissenschaftler versorge uns mit sensorischen Reizen, sodass unsere Erfahrung lediglich eine Simulation wäre.

Aus diesen Gründen wurde der naive Realismus des "gesunden Menschenverstandes" im Verlaufe der Philosophiegeschichte immer wieder modifiziert, um so besser gegen die skeptischen Argumente bestehen zu können. Allen diesen Modifikationen ist aber die Auffassung gemeinsam, dass die Wirklichkeit unabhängig von unserer Erfahrung und von unserem Bewusstsein existiert.

Der Realismus tritt fast immer gemeinsam mit der These auf, dass wir mit unseren sinnlichen Erfahrungen Zugang zu der bewusstseinsunabhängigen Wirklichkeit haben.

Das Verständnis, wie dieser Zustand erfolgt, führt zu einer Klassifizierung des Realismus.

Naiver Realismus: In der Sinneserfahrung stehen wir unter normalen Umständen in direkter Beziehung zu den äußeren Gegenständen und ihren Eigenschaften. (Vertreter: Reid, Ryle)

Empirischer Realismus: vertritt die These, dass die Erfahrungswelt zwar unabhängig von dem einzelnen erkennenden Wesen existiert, dass sie aber nicht unabhängig von der Möglichkeit ist, dass überhaupt erkennende Wesen existieren. (Vertreter: Kant)

Repräsentativer Realismus: vertritt die These, dass unsere sinnlichen Erfahrungen zwar von der physischen Wirklichkeit verursacht sind, uns aber niemals sichere Erkenntnis vermitteln können. Das, was wir erfahren, sind stets Repräsentationen der Wirklichkeit (z.B. Sinneseindrücke). Ein Vergleich dieser Repräsentation mit der Wirklichkeit ist uns nicht möglich.

Kritischer Realismus: nimmt eine Position zwischen dem naiven und dem repräsentativen Realismus ein. Er vertritt die These, dass uns unsere sinnliche Erfahrung nur einen indirekten Zugang zur Wirklichkeit vermittelt und dass es uns trotzdem möglich ist, hinter unsere Sinneserfahrung zurückzugehen, um zu einer in der Sache selbst begründeten Auffassung der psychischen Wirklichkeit zu gelangen.

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