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PSYCHISCHE ABWEICHUNGEN

Was sind psychische Störungen? - Wie entstehen sie?

Wohl jeder von uns kennt im Bereich der somatischen Störungen das breite Spektrum zwischen leichten körperlichen Beeinträchtigungen und Irritationen und einer schweren Krankheit, die all unsere Kräfte bindet und intensive medizinische, therapeutische Maßnahmen erfordert.
Ebenso weit reicht das Spektrum zwischen leichten psychischen Behinderungen und Beeinträchtigungen und schweren psychischen Erkrankungen. Die Grenze zwischen psychisch gesund und krank ist oft schwer zu setzen.

Häufig werden 7 Kriterien verwendet, um psychische Funktionen oder Verhaltensweisen als "gestört" (oder "anormal") zu kategorisieren. Eine Verhaltensweise kann mit größerer Sicherheit als "gestört" eingestuft werden, wenn mehrere der unten genannten Indikatoren vorliegen. Aber kein einzelnes Kriterium für sich genommen ist eine hinreichende Bedingung, um Störungen von Normalität abzugrenzen.

Leiden oder Behinderung Eine Person erlebt einen Leidensdruck oder eine Einschränkung ihrer normalen psychischen Funktionen, wodurch das Risiko der Verschlechterung ihres körperlichen oder psychischen Zustands und der Einschränkung ihrer Handlungsfreiheit entsteht.
Unangepasstheit Eine Person verhält sich in einer Art und Weise, die sie an der Erreichung ihrer Ziele hindert, die nicht zu ihrem Wohlergehen beiträgt oder die mit den Zielen anderer Menschen oder den Bedürfnissen der Gemeinschaft in Konflikt steht.
Irrationalität Eine Person handelt oder äußert sich in einer Weise, die für andere Menschen irrational oder unverständlich ist.
Unvorhersehbarkeit Eine Person handelt oder äußert sich in einer Weise, die für andere Menschen irrational oder unverständlich ist.
Unkonventionalität und statistische Seltenheit Das Verhalten der Person ist sehr unüblich und verletzt soziale Standards für das, was akzeptabel oder erwünscht ist. Achtung: Unüblichkeit und Seltenheit allein reichen für das Urteil "gestört" in keiner Weise aus.
Unbehagen beim Beobachter Eine Person ruft bei anderen Menschen Unbehagen hervor, weil sich diese durch die Person in irgendeiner Weise bedroht oder beunruhigt fühlen.
Verletzungen der gesellschaftlichen Standards, insbesondere moralischer Normen Eine Person verletzt die Erwartungen darin, wie man sich angesichts gesellschaftlicher Normen verhalten sollte.

 

Abweichungen bzw. Krankheiten werden von der Weltgesundheitsorganisation unter dem Oberbegriff "Störungen" subsumiert.  Die weltweit gebräuchlichsten und fundiertesten Klassifikationssysteme sind das von der American Psychiatric Association entwickelte Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM-IV) und die von der Weltgesundheitsinformation WHO entwickelte International Classification of Diseases (ICD).
Im Folgenden werden nur Beispiele für psychische Störungen und deren diagnostischen Merkmale angeführt. Die Entstehungsmodelle und die entsprechenden Therapien variieren je nach psychologischer Richtung.

Entstehung psychischer Störungen:

Unterschiedliche Richtungen der Psychologie nehmen unterschiedliche Gründe an, die zur Entstehung einer psychischen Störung führen:

Freud nahm an, dass eine Neurose auf einer fehlerhaften Sexualentwicklung beruhe, während der das Kind seine Triebwünsche und Gefühle unterdrücken musste. Die Triebwünsche wurden in das Unbewusste verdrängt. Weil sie vom Individuum nicht kontrollierbar sind (da ja unbewusst), weichen sie vom ursprünglichen Ziel ab und führen zur Ausbildung von neurotischen Verhaltensweisen. Eine Behandlung kann demnach nur durch ein Bewusstmachen und Durcharbeiten des Verdrängten erfolgen.

Die Behavioristen gehen davon aus, dass gestörtes Erleben und Verhalten genauso Folge des Lernens sind wie das angepasste Verhalten. Die vorhandene Störung muss durch gezielte Lernhilfen wieder abgebaut werden (Verhaltenstherapie).

Zumindest einige Formen psychischer Störungen lassen sich auf organisch / biochemische Ursachen zurückführen.